Das erste Halbjahr von 2020 in Rückblick

Die Hälfte des Jahres ist um. Es ist also an der Zeit ein Zwischenfazit zu ziehen wie es dieses Jahr gelaufen ist. In dem Artikel hier soll es aber natürlich nicht darum gehen welche von meinen Neujahrsvorsätzen ich eingehalten habe sondern im Detail wie die Börse sich in den letzten 6 Monaten verhalten hat.

Natürlich kommen wir hier nicht daran vorbei über den Elefanten im Raum, der aus keinem Chart dieses Jahres mehr wegzudenken ist zu reden. Der Corona Crash hat uns dieses Jahr in Atem gehalten. Im Zuge der Globalisierung und Lieferketten, die immer mehr auf das just in time Konzept setzen sind die Länder in den letzten Jahren immer stärker voneinander abhängig geworden. Dazu kam noch, dass seit der Finanzkrise 2007/2008 die Finanzverschuldung der Unternehmen von 84% des Bruttoweltprodukts auf 92% des Bruttoweltprodukts gestiegen ist.


An der Börse hat am 21. Februar dann der Crash wirklich begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Indizes an neuen Höchstständen. Bis zum 28. Februar hat der Dow Jones fast 15% verloren. Mit nur knapp 11% Verlust hat der DAX sich hier etwas besser gehalten.Am Wochenende dann kündigte die Bank of Japan an die Märkte stabilisieren zu wollen und 4.6 Milliarden Dollar in Staatsanleihen zu kaufen. Am darauf folgenden Montag ging es an der Börse dann wieder hoch. Der Dow Jones gewann 4,4% an einem Tag. Der höchste tägliche Zuwachs seit 2009.


Am 5. März viel der Ölpreis um 9%. Der größte Preissturz seit 11 Jahren und es ging weiter runter. Die reduzierte Nachfrage durch weniger Fabrikaktivität und weniger Reisen resultierte in einem Treffen der Organisation der Öl exportierenden Länder (OPEC) um über etwaige Produktionssenkungen zu beraten. Nachdem sich die OPEC und Russland nicht einigen konnten haben Saudi Arabien und Russland beide angekündigt die Ölproduktion stattdessen zu erhöhen. Der Ölpreis fiel um 25%.


Am 9. März dann fiel der Dow Jones Industrial Average um 2000 Punkte. Der bis dahin 11. schlechteste Tag in der Geschichte der Index. Größere Einbrüche sollten aber noch folgen.Dieser Tag bekam den Namen Black Monday of 2020 um ihn von dem Crash im Oktober 1987 zu unterscheiden.


Bis zum Tiefpunkt am 23. März gab es am 12. und am 16. März noch zwei größere tägliche Verluste. In Deutschland hat der DAX in 28 Tagen rund 40% verloren. Das war damit der schnellste Crash den es in der Geschichte des deutschen Leitindex jemals gab. Im Crash von 1987 verlor der DAX zwar insgesamt auch fast 40% aber über einen fast 3 mal so langen Zeitraum.


Viele Privatanleger haben hier Geld in Panikverkäufen verloren.
Trotz dieses sehr schnellen Crashs hat man manchmal das Gefühl, dass die Börse sich schon wieder erholt hat. Guckt man sich die Regionen oder unterschiedliche Branchen im Detail an zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab.

Performance nach Ländern

Zuerst gucken wir uns mal an wie stark die Börsen der einzelnen Länder dieses Jahr betroffen waren und wie schnell sie sich erholt haben. Dazu verwenden wir stellvertretend die Performance der ETF Reihe von IShares.

Kursverlauf der ETFs auf die jeweiligen Regionen im Jahr 2020.


Da diese Grafik ein bisschen unübersichtlich ist wollen wir uns hier nochmal die Performance seit Jahresanfang der einzelnen Länder ansehen.

Rendite seit Jahresanfang der IShares ETFs auf die einzelnen Regionen. Die meisten Regionen verzeichnen hier noch zweistellige Prozentverluste.

Der MSCI World, der hier stellvertretend für die Weltwirtschaft steht liegt noch mit fast 4% leicht im Minus. Europa scheint hier noch am stärksten betroffen mit einem Minus von insgesamt mehr als 11%. Für die USA habe ich hier den S&P 500 gewählt, der nurnoch 1% im Minus ist. Asien hingegen ist schon wieder 3% im Plus.


In den Europäischen Ländern ist Deutschland noch ganz gut weg gekommen. Ähnlich gut sind nur Finnland und die Schweiz weg gekommen mit einem einstelligen Minus. Die Einzige Ausnahme hier ist offensichtlich Dänemark. Dabei ist aber anzumerken, dass diese Performance zu 20% von Novo Nordisk, einem in den letzten Monaten sehr guten Wert aus der Gesundheitsbranche stammt.

Performance nach Sektoren


Als nächstes sehen wir uns die Performance seit Jahresanfang nach Sektoren an.

Kursverlauf der Sektor ETFs von IShares seit Anfang 2020.


Zur besseren Übersicht sehen wir uns wieder die Veränderung seit Jahresanfang an.

Rendite seit Jahresanfang der IShares Sektor ETFs. Hier kann man die drei Sektoren Technologie, Gesundheit und Telekommunikation erkennen, die von der Krise sogar teilweise profitiert haben.

Die drei Branchen, die hier positive Entwicklungen verbuchen können, Gesundheit, Technologie und Telekommunikation sind wie erwartet die Branchen, die am wenigsten von der Corona Krise betroffen sind oder sogar davon profitiert haben.


Auffällig ist hier auch, dass Consumer Staples, also notwendige Konsumprodukte wie Lebensmittel und Hygieneprodukte nicht bedeutend besser abschneiden als Consumer Discretionary also Luxusgüter, wie zum Beispiel Autos. Der Blick auf die Endperformance trügt hier aber. In dem Verlauf über das Jahr, kann man klar sehen, dass die Consumer Staples wie erwartet das defensivere Investment waren. In der Krise ging es deutlich weniger runter.


Stark betroffen sind außerdem zyklische Aktien aus dem Industrie Sektor und Immobilienaktien. In der Immobilienaktien Kategorie sind hier zum einen Vermieter von Bürogebäuden betroffen aber zum anderen auch Betreiber von Einkaufszentren, die aktuell deutlich weniger besucht werden können.


Am stärksten betroffen ist die Energiebranche, hauptsächlich aufgrund der eingebrochenen Öl und Gaspreise.

Performance nach Strategie


Als letztes sehen wir uns noch die Performance unterschiedlicher ETFs an, die versuchen eine bestimmte Investment Strategie um zu setzen.

Kursverlauf der Faktor ETFs von IShares für das Jahr 2020. Hier sieht man wie gut einzelne Strategien funktioniert haben.

Besonders auffällig sind hier die beiden äußeren Kurven. Am schlechtesten hat die Value Strategie abgeschnitten, während die Momentum Strategie am besten abgeschnitten hat.


Auf den ersten Blick kann das überraschend erscheinen. Die Momentum Strategie setzt auf aktuelle Trends und gilt deshalb als sehr Krisenanfällig. Die Value Strategie hingegen setzt auf unterbewertete Unternehmen und gilt daher als besonders Krisenstabil. Warum also zeigt sich in dieser Krise genau das gegenteilige Bild?

Um das zu verstehen muss man sich eigentlich nur nochmal ins Gedächtnis rufen welche Sektoren sich besonders gut entwickelt haben. Die Momentum Strategie setzt gerade auf schnell wachsende und hoch bewertete Technologie Unternehmen. Genau aus diesem Grund sind diese Werte in der Value Strategie eher unterrepräsentiert. Dieses Bild ergibt sich also nur weil zufälligerweise gerade die Werte, die vor der Krise am schnellsten gewachsen sind auch von der Krise am wenigsten betroffen waren. In der Dot-Com Blase hätten wir wahrscheinlich ein vollkommen anderes Ergebnis gefunden.


Fazit


Auch wenn sich einige Leitindizes von verschiedenen Ländern schon wieder nahezu erholt haben ist das hauptsächlich auf das erstaunliche Wachstum in dem Technologie und dem Gesundheitssektor zurück zu führen. In anderen Sektoren, wie zum Beispiel Consumer Discretionary, Energy, Real Estate und Industrials ist noch nicht von einer Erholung zu sprechen. In diesen Branchen lassen sich also weiter Aktien auf Krisenniveau kaufen.

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2 Antworten

  1. Alexander sagt:

    Wir alle hier sind doch Langzeit Investoren. Diese Krise wird genutzt und weiter geht es. In 10 Jahren werden wir darüber grinsen (hoffe ich)

    • marco sagt:

      Natürlich wird die Krise für Nachkäufe genutzt. Ich hab hier auch gut zugeschlagen.
      Für mich ist aber vor allem der Blick auf die Unterschiedlichen Strategien interessant. Ich selber verwende eine Art Value Strategie, die ja anscheinend nicht besonders gut läuft im vergleich mit anderen Strategien. Da ist es mir schon wichtig zu entscheiden ob ich etwas an meiner Strategie ändern sollte.
      Nachdem ich verstanden habe woran das in diesem Fall liegt kann ich aber sagen, dass ich an meiner Strategie nichts ändern möchte.

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