Was ist eigentlich Margin?

Wenn ihr an der Börse Aktiv seid oder meine Artikel zum Thema Optionshandel lest wird euch früher oder später das Wort Margin über den Weg laufen. Heute möchte ich ein bisschen genauer darauf eingehen was das eigentlich ist.

Finanzieller Hebel

Was genau versteht man eigentlich unter einem Hebel bei einem Finanzgeschäft?

Viele Investoren sind der Meinung, dass man auf dauer mit Immobilien reich werden kann und in der Vergangenheit haben auch schon einige das eindrucksvoll bewiesen. Aber was ist so anders an Immobilieninvestments? Der Immobilienmarkt steigt jährlich eigentlich auch nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Typischerweise sogar deutlich weniger als der Aktienmarkt.

Der Fundamentale Unterschied bei Immobilien ist aber, dass hier viel mehr auf Kredit gehandelt wird. Kostet eine Immobilie 1.000.000€ wird kaum ein Käufer diese Immobilie direkt mit seinem Ersparten kaufen. Häufig wird er hier sogar 90% über einen Immobiliendarlehen finanzieren. Wenn ich jetzt mal kaufnebenkosten außen vor lasse ergibt sich damit folgende Situation.

Ein Privatanleger kauft eine Immobilie für 1.000.000€. Er selbst hat nur 100.000€ und finanziert den Rest über eine Bank zu einem Zinssatz von 1%. Steigt die Immobilie jetzt im Wert um nur magere 3% ist sie im nächsten Jahr schon 1.030.000€ Wert. Ziehen wir davon die Schulden von 909.000€ bei der Bank ab hat der Privatanleger also ein Vermögen von 121.000€. Oder anders gesagt, er hat 21% Rendite auf sein Anfangskapital gemacht, weil er einen finanziellen Hebel verwendet hat.

Das gleiche kann man allerdings auch an der Börse machen und da kommt die Margin ins Spiel.

Margin

Handle ich mit Aktien “auf Margin” dann benutze ich genau so einen Finanziellen Hebel wie gerade beschrieben beim Kauf von Immobilien. Unter der Margin versteht man dabei einfach den Eigenkapitalanteil, den ich bei der Bank beziehungsweise dem Broker hinterlegen muss. Je geringer die Marginanforderung desto größer die Hebelwirkung.

Ich kann zum Beispiel eine Tesla Aktie bei einem Kurs von 1000\$ kaufen. Mein Broker verlangt dafür, dass ich als sicherheit 500\$ hinterlege. Steigt die Aktie um 20% auf 1200$ habe ich also insgesamt 40% Rendite auf mein eingesetztes Kapital gemacht. Aber Vorsicht! Fällt die Aktie um 20% auf 800\$ habe ich mit einem absoluten Verlust von 200\$ auf 500\$ auch 40% Verlust gemacht.

Die Margin ist also ein zweischneidiges Schwert und muss unter allen Umständen mit bedacht eingesetzt werden. Welche Marginanforderungen euer Broker euch anbietet bestimmt dabei wie stark ihr hebeln könnt.

Initial Margin und Maintenance Margin

Wenn ihr ein Marginkonto bei einem Broker besitzt werdet ihr feststellen, dass euer Broker zwei unterschiedliche Arten der Margin ausweist. Einmal die Initial Margin (oder Ersteinschuss) und die Maintenance Margin (oder Mindesteinschuss).

Die Initial Margin ist dabei die Eigenkapitalanforderung, die euer Broker fordert, damit ihr die Position eröffnen könnt. Habt ihr zu wenig Kapital bei dem Broker eingezahlt könnt ihr die Aktie auch nicht auf Margin kaufen.

Die Maintenance Margin hingegen beschreibt wie viel Kapital ihr in eurem Depot haben müsst um die Position aufrecht zu erhalten und beträgt normalerweise ca. 75% der Initial Margin. Fällt euer Kapital unter diese Anforderungen kommt es zum Margin Call. Ihr müsst entweder in einer gesetzten Frist euer Kapital aufstocken oder eure Positionen verkaufen.

Die Gefahren des handelns auf Margin kann man gut an einer Geschichte verdeutlichen. 2018 hat der bekannte Optionstrader James Cordier mit seinem hedgefund über 200 Millionen Dollar verloren. Alle seine Anleger hatten ihr komplettes Vermögen verloren und hatten sogar noch zusätzliche Schulden. Und dieser Verlust war auch noch komplett vermeidbar. James Cordier hatte Naked Calls auf Erdgas futures verkauft. Er ist davon ausgegangen, dass der Winter 2018 wärmer wird als erwartet und der Preis von Erdgas daher eher fällt als steigt.

Er verkaufte diese Optionen während der Erdgas preis stieg und er handelte auf Margin. Innerhalb eines einzigen Nachmittags stieg der Preis um knapp 20% auf neue höchststände. Danach hatte er noch mehr Tage zeit die Positionen einfach mit Verlust zu schließen. Er ging aber davon aus, dass die Preise wieder fallen würden.

Als die Erdgaspreise stattdessen weiter stiegen, stiegen damit auch die Marginanforderungen seines Depots auf mehr als er hatte und so mussten die Optionen zum schlechtesten Zeitpunkt verkauft werden. Interessant an dieser Geschichte war, dass die Optionen tatsächlich zum Verfallsdatum wertlos gewesen wären. Er hätte also maximalen Gewinn gemacht. Die Strategie ist katastrophal nach hinten los gegangen, weil seine Position zu groß für sein Depot war. Beim Handel auf Margin berücksichtigt also immer, dass die Marginanforderungen schnell steigen können und behaltet die maximalen Verluste im Auge!

Auf Margin handeln mit schlechten Moneymanagement ist grob fahrlässig.

Marginanforderungen beim Optionshandel

Beim Optionshandel werdet ihr wenn ihr andere Strategien als Cash Secured Puts oder Covered Calls handeln wollt nicht am handeln auf Margin vorbei kommen. Daher besprechen wir hier einmal wie sich die Initial Margin bei einfachen Optionen berechnet. Die Berechnung funktioniert hier für Put und Call Optionen gleich.

Betrachten wir einen Basiswert, der aktuell bei einem Kurs von 100\$ notiert. Ihr möchtet eine Put option mit einem Strike Preis von 90\$ für die ihr eine Prämie von 500\$ bekommt. Die Margin Anforderungen dafür betragen 20% des Kurspreises. Davon zieht ihr dann ab wie weit die Option aus dem Geld ist und addiert die Optionsprämie.

In diesem Beispiel bedeutet das also $\mathrm{Margin} = 100\,\$*100\,\mathrm{Aktien}*20\% – 10\,\$*100\,\mathrm{Aktien} + 500\,\$ = 1500\,\$$.

Ihr braucht also 1500\$ als Initial Margin für diesen Handel. Für einen Call mit einem Strike Preis von 110\$ geht die Rechnung analog und man benötigt ebenfalls 1500\$.

Fällt jetzt jedoch der Preis des Basiswerts auf 92\$ (die Option ist also immernoch nicht im Geld und ihr würdet mit maximalem Gewinn raus gehen) verändert sich die Marginanforderung. $\mathrm{Margin} = 92\,\$*100\,\mathrm{Aktien}*20\% – 2\,\$*100\,\mathrm{Aktien} + 500\,\$ = 2140\,\$$.

Die Margin anforderungen können also schnell merklich ansteigen. Beachtet daher, dass ihr sie niemals zu sehr ausreizt.

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1 Antwort

  1. 15. Juni 2020

    […] die Rendite entscheidend verbessern. Diese Strategien funktionieren allerdings nur wenn ihr ein Margin Depot bei einem Broker eröffnet habt. Genau da liegt auch schon der Nachteil. Wir handeln hier auf […]

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