Wie ich Aktien analysiere

In diesem Artikel möchte ich einmal darauf eingehen was meine Strategie ist um Aktien zu analysieren. Dieser Artikel ist dazu gedacht ein bisschen zusätzlichen Hintegrund zu liefern, der hilfreich ist um meine Aktienideen Artikel einschätzen zu können.

Aktienkategorien

Zuerst ordne ich die Aktien grob in Kategorien ein. Diese Kategorien sind stark angelegt an das Buch von Peter Lynch* (Das Buch kann ich jedem nur wärmstens empfehlen). Die Kategorien sind Folgende

  • Aktien mit schnellem Wachstum
  • Aktien mit mittlerem Wachstum
  • Zykliker
  • Turnaround Stories
  • Asset Plays

Aktien mit schnellem Wachstum

Hier sind typischerweise kleinere noch nicht etablierte Firmen gemeint, die ein Gewinnwachstum über 20% haben. Diese Firmen sind oft mit etwas größerem Risiko behaftet und sind daher nicht der Fokus meines Hauptdepots. Aber auch Amazon könnte man noch hier einordnen.

Mit diesen Aktien kann man große Gewinne erzielen. Der Kurs einer solchen Aktie kann sich auch schonmal verzehnfachen. Dann spricht man von einem Tenbagger. Die Jagd nach Tenbaggern macht Spaß, daher habe ich dafür ein zweites Depot, dass allerdings nur einen vergleichsweise kleinen Teil meiner Investments ausmacht.

Aktien mit mittlerem Wachstum

Aktien, die eine weile gewachsen sind werden irgendwann zu groß um weiter so schnell zu wachsen. In diesem Stadium schütten sie vermehrt Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre aus anstatt zu versuchen weiter zu expandieren.

Das macht diese Firmen leichter zu bewerten, weil sie berechenbarer werden.

Die meisten der Unternehmen in meinem Langzeitdepot kommen aus dieser Kategorie. Beispiele sind hier zum Beispiel Coca-Cola, Apple oder Nestlé. Ich erwarte hier trotzdem noch ein Gewinnwachstum über ungefähr 5%.

Zyklische Aktien

Zyklische Aktien sind Aktien, die mehr oder weniger vorhersehbar schwanken. Die Umsätze, Gewinne und damit auch der Kurs sind hier oft direkt und sehr stark von der aktuellen Wirtschaftslage abhängig.

In einer Wirtschaftskrise sind diese Aktien daher die ersten die darunter leiden. In dem darauffolgenden aufschwung sind sie aber auch häufig die ersten Aktien, die sich erholen.

Beispiele hier sind die Automobilindustrie, Tourismus und die Luftfahrtindustrie. Um in diese Aktien zu investieren sollte man verstehen wo man sich gerade im Zyklus befindet. Hier kann man sehr schnell viel Geld verlieren, wenn man nur das Wachstum beobachtet.

Turnarounds

Turnaround kandidaten sind Aktien, die aufgrund von verschiedenen Umständen in finanzielle Probleme geraten sind. Hierbei sind natürlich nicht selbstverschuldete Probleme zu bevorzugen.

Bei diesen Aktien kann man darauf spekulieren, dass sie zum Beispiel vom Staat gerettet werden. Dabei kann jedoch auch immer das Aktienkapital verwässert werden. Andererseits kann die Firma natürlich auch pleite gehen.

In der Corona Krise gab es einige Kandidaten für diese Kategorie. Die prominenteste deutsche Aktie hier war wohl die Lufthansa.

Asset Plays

Asset Plays sind Unternehmen die unter dem intrinsischen Wert ihrer finanziellen und materiellen Vermögenswerte notieren. Das funktioniert nur wenn der Markt aus irgendwelchen Gründen nicht von diesen Vermögenswerten weiß oder sie schlichtweg ignoriert.

Ein Beispiel aus der aktuellen Zeit könnte hier Rocket Internet sein. Diese Aktie hat eine Marktkapitalisierung (Wert aller Aktien zusammen) von ca. 2,6 Milliarden Euro und alleine Cash in der höhe von 2,1 Milliarden Euro und zusätzlich Aktien im Wert von 400 Millionen und zusätzlich 600 Millionen Euro in Firmen verliehen.

Aktienbewertung

Nachdem ich die Aktien in eine dieser Kategorien eingeordnet habe verwende ich verschieden Kriterien um zu analysieren ob ich sie besitzen möchte. Im Folgenden werde ich diese Kriterien einmal am Beispiel der Coca-Cola Aktie durchgehen.

Erstes Kriterium: Gewinnwachstum

Ein Gewinnwachstum ist notwendig damit der Kurs der Aktie steigen kann, denn nur eine Firma mit wachsenden Gewinnen produziert einen steigenden Mehrwert für den investor. Dieses Gewinnwachstum kann entweder aus einer wachsenden Nettomarge also dem Verhältnis vom Gewinn zum Gesamtumsatz oder einem Steigenden Gesamtumsatz kommen.

Beim Umsatzwachstum unterscheiden wir dann weiter nach organischem Wachstum also dem Wachstum, dass aus steigenden Kundenzahlen oder dergleichen kommt und dem Wachstum das aus zukäufen anderer Unternehmen kommt. Das organische Wachstum ist dabei deutlich verlässlicher und daher für langfristige investitionen interessanter.

Diese Grafik zeigt den Gewinn pro Aktie (Earnings per Share) von Coca-Cola über die Jahre. Hier lässt sich nur schwer ein langfristiger Trend ausmachen aber in den letzten Jahren hat Coca-Cola es zumindest geschafft den Gewinneinbruch wieder auszugleichen.

Zweites Kriterium: Dividendenausschüttungen

Für mich als Einkommensinvestor sind als nächstes die Dividendenausschüttungen interessant. Diese bestimmen wie viel Geld ich pro Jahr von der Firma auf mein Konto überwiesen bekomme.

Eine stetig wachsende Dividende ist für mich hier oft auch ein Zeichen dafür, dass es dem Unternehmen finanziell gut geht. Das allerdings nur in Verbindung mit dem sogenannten Payout Ratio. Das Payout Ratio gibt das Verhältnis von ausgezahlter Dividende zum Gewinn der Firma an. Ist das Verhältnis größer als 1 ist das ein automatisches K.O. Kriterium für mich, denn das bedeutet, dass die Firma mehr Dividenden auszahlt als sie einnimmt. Die Dividenden zehren also auf dauer an der Substanz des Unternehmens. Als groben Richtwert möchte ich hier ein Payout Ratio zwischen 20% und 70% sehen.

Hier sieht man die stetig wachsende Dividende der Coca-Cola Aktie. Die Dividendenredite liegt hier bei ca. 3,4%. Das bedeutet, dass ich 3,4% „Zinsen“ auf mein Investment in Coca-Cola zusätzlich zur Wertsteigerung bekomme. Das Wort Zinsen ist dabei in Anführungszeichen weil man Dividenden nicht wirklich als Zinsen sehen sollte. Gerade in der Corona Zeit hat man gesehen wie schnell große Firmen wie zum Beispiel Disney die Dividende streichen.

Ein Weiteres Kriterium hier ist für mich das Dividendenwachstum. Erhöht eine Firma konsistent ihre Dividenden bedeutet das, dass sich mein „Zinssatz“ auf meine bestehenden investments immer erhöht. Es kann hier sogar zu einer Art Zinseszins Effekt auf den Zinssatz kommen.

Das Dividendenwachstum bei Coca-Cola liegt hier typischerweise im einstelligen Prozentbereich. Das passt ungefähr zum Umsatzwachstum und ist daher soweit zu erwarten. Für ein Dividendenwachstumsinvestment ist das eine eher niedrige steigerung.

Drittes Kriterium: Schuldensituation

Als drittes Kriterium gucke ich mir die Schuldensituation der jeweiligen Firma an. Diese ist jedoch differenzierter zu betrachten, weil es hier teilweise große Unterschiede gibt was in den unterschiedlichen Branchen an Verschuldung üblich ist. Die Verschuldung ist daher immer mit anderen Firmen aus der gleichen Branche zu vergleichen. Die Automobilindustrie ist häufig zum Beispiel schuldenintensiver als die Technologiebranche.

Als erstes Sehen wir uns dazu das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital (Debt/Equity Ratio) an. Ein hohes Debt/Equity Ratio bedeutet dabei, dass das unternehmen einen großen finanziellen Hebel verwendet. Das muss nicht notwendigerweise schlecht sein. Es sollte aber im Rahmen der Branchenstandards liegen. Für Schuldner bedeutet ein hohes Debt/Equity Ratio ein höheres Risiko.

Das Debt/Equity Ratio von Coca-Cola liegt hier im Bereich von 4. Daraus können wir schließen, dass Coca-Cola einen hohen finanziellen Hebel verwendet. Vergleichbare Firmen in der gleichen Branche haben allerdings eine ähnlich große Schuldenquote. Coca-Cola bezieht 80% seines Kapitalbedarfs aus Schulden.

Das Liquiditätsverhältnis (Current Ratio) gibt das Verhältnis von aktuellen Vermögenswerten zu aktuellen Schulden an. Unter aktuellen Vermögenswerten versteht man dabei Vermögenswerte, die innerhalb von einem Jahr zu Bargeld gemacht werden können. Unter den aktuellen Schulden versteht man analog Schulden, die innerhalb eines Jahres beglichen werden müssen.

Das Current Ratio von Coca-Cola liegt deutlich unter 1. Hier muss man wieder den Vergleich zu anderen unternehmen der gleichen Branche heranziehen um festzustellen, dass es bei vielen unternehmen sogar noch niedriger ist.

Ein sehr niedriges Current Ratio kann bedeuten, dass das Unternehmen in finanziellen schwierigkeiten ist.

Viertes Kriterium: Aktueller Preis

Selbst die tollste Aktie von dem besten Unternehmen nützt nichts, wenn wir sie nur zu einem sehr hohen Preis kaufen können. Als nächstes müssen wir uns also noch Gedanken zu dem Preis machen, den wir bereit sind für das Unternehmen zu bezahlen.

In erster Linie gehen wir hier davon aus, dass der faire Wert des Unternehmens hauptsächlich vom erzielten Gewinn abhängt. Immerhin ist das der Ursprung für den Mehrwert des Investors.

Wenn wir jetzt davon ausgehen, dass die Märkte effizient sind (das ist eine schwierige Annahme aber über lange sicht wahrscheinlich gerechtfertigt) dann findet der Aktienmarkt über lange sicht den Richtigen Wert der Aktie.

Der Lehrmeister von Warren Buffett (einer der größten Investoren unserer Zeit) Benjamin Graham hat dazu gesagt: „in the short run, the market is like a voting machine–tallying up which firms are popular and unpopular. But in the long run, the market is like a weighing machine–assessing the substance of a company.“.

Das beudetet so viel wie, dass auf kurze Zeit der Aktienkurs durch die launen der Investoren bestimmt wird. Auf lange Sicht aber wird sich der wahre Wert des Unternehmens zeigen.

Basierend darauf sehen wir uns das Verhältnis des Kurses zum Gewinn des unternehmens über einige Jahre gemittelt an.

Bei Coca-Cola kommen wir damit auf ein durchschnittliches Kurs-Gewinn Verhältnis (KGV) von ungefähr 25. Das bedeutet in den letzten Jahren wurde die Aktie typischerweise zum 25 fachen Jahresgewinn gehandelt. Der faire Preis ergibt sich demnach aus dem Produkt des gemittelten KGV mit dem Gewinn pro Aktie. Das ergibt die eingezeichnete Orange linie. Unterhalb dieser Linie ist die Aktie unterbewertet und oberhalb ist sie überbewertet.

Für Coca-Cola komme ich mit dieser Methode auf einen fairen Wert von ca. 43$ aktuell.

Hierbei muss allerdings noch beachtet werden, dass diese Methode nur funktioniert wenn die Gewinne nicht zu stark wachsen oder schwanken. Im Fall von Coca-Cola ist das durchschnittliche KGV künstlich ein bisschen erhöht aufgrund des Gewinneinbruchs 2018.

Bei der Disney Aktie funktioniert diese Methode wie schon rein optisch erkennbar ist deutlich besser und gibt einen fairen wert von ca. 120$ basierend auf den Gewinnen vor der Corona krise.

Fünftes Kriterium: Zusätzliche Informationen

Als letztes kann man noch versuchen alle möglichen zusätzlichen Informationen, die man leicht im Internet findet zu verwerten. Das können zum Beispiel dinge sein wie, dass der CEO gerade viele Aktien der eigenen Firma gekauft hat oder dass gerade ein neuer Streaming Dienst gestartet wurde.

Diese Art von Informationen betrachte ich aber häufig eher als Qualitative Kriterien. Die Verwendung dieser Informationen ist also viel weniger systematisch.

Fazit

Am Ende ist jede Aktienbewertung nur das Ergebnis der Annahmen die man in die Analyse gesteckt hat. Wenn man sich über diese Annahmen bewusst ist und verstanden hat unter welchen Umständen man von einem Investment profitiert hat man deutlich bessere Möglichkeiten das Investment unter kontrolle zu behalten.

Als Beispiel könnte das etwas sein wie „Wenn nach der Corona Krise die Freizeit Parks von Disney wieder wie gewohnt eröffnen und der typische Gewinn zurück kommt ist Disney zu dem Preis den ich bezahlt habe unterbewertet.“. Sollte nun absehbar sein, dass die Leute nicht wieder anfangen Disneys Freizeitparks zu besuchen kann man den Wert seines Investments neu überdenken.

Natürlich gibt es noch eine Vielzahl weiterer Kennzahlen, die man in seine Analyse einfließen lassen kann. Für mich ist das aber häufig nur in Sonderfällen relevant oder ich sehe mir diese Kennzahlen nur an, wenn ich starke Abweichungen von der Norm sehe.

Abschließend macht es immer Sinn sich Artikel über die Aktien auf den einschlägigen Portalen zu lesen. Wenn man das getan hat hat man wahrscheinlich schon mehr getan als die allermeisten Investoren und ist auf einem sehr guten Weg Rendite zu machen.

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